Text und Fotos. BRJ
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Das Projekt „KISS meets HSBK“ bot den angehenden Medizinischen Fachangestellten der MFO1 und MFU1 einen eindrucksvollen und zugleich praxisnahen Einblick in die Bedeutung von Selbsthilfe, Organspende und sozialer Unterstützung im Gesundheitswesen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 11.05.26 in der Aula des HSBK stand die Intention, die Schülerinnen und Schüler frühzeitig für ihre spätere Berufsrolle zu sensibilisieren. Medizinische Fachangestellte arbeiten täglich an wichtigen Schnittstellen zwischen Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen. Dadurch können sie nicht nur informieren und begleiten, sondern auch als wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf Unterstützungsangebote aufmerksam machen.
Frau Diana Stinson (Kreis Soest) stellte ihre Arbeit in der KISS (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen des Kreises Soest) vor. Dabei wurde deutlich, welch zentrale Rolle die Selbsthilfe als wichtiger, aber häufig unterschätzter Bestandteil des Gesundheitswesens im Kreis Soest spielt. Mit über 160 Gruppen zu unterschiedlichsten Themenbereichen bietet die KISS vielfältige Möglichkeiten für Betroffene und Angehörige, Unterstützung und Austausch zu finden.
Besonders hervorgehoben wurde, dass Selbsthilfegruppen keine therapeutischen oder professionell geleiteten Angebote darstellen, sondern ehrenamtlich organisiert sind und vom Gedanken der gegenseitigen Unterstützung leben zur Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz. Gleichzeitig wurden auch die Grenzen der Selbsthilfe thematisiert: Selbsthilfe kann Therapie nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen – häufig beispielsweise im Anschluss an eine Therapie.
Die Schülerinnen und Schüler erhielten zudem Einblicke in die Aufgaben der KISS als anonyme Vermittlungsstelle. Denn viele Betroffene wünschen sich zunächst einen geschützten und vertraulichen Zugang zu Hilfsangeboten. Außerdem unterstützt die KISS die jeweiligen Gruppen auch bei der Suche nach Räumlichkeiten, bei finanziellen Fördermöglichkeiten – unter anderem über die gesetzlichen Krankenkassen – sowie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Jährlich werden bis zu 15 neue Gruppen gegründet. Ergänzend informiert der KISS-Newsletter sowohl Fachkräfte als auch Betroffene regelmäßig über aktuelle Angebote und Entwicklungen im Kreis Soest.
Am Beispiel der Organspende wurde im weiteren Verlauf der Veranstaltung die Bedeutung von Selbsthilfe für Betroffene besonders anschaulich verdeutlicht. Frau Leila Rincke (Kreis Soest) erläuterte die Abläufe und gesetzlichen Regelungen zur Organspende in Deutschland. Dabei sensibilisierte sie die Auszubildenden für die Bedeutung der Organspende und appellierte daran, eine bewusste Entscheidung zu treffen und diese auch im Organspendeausweis zu dokumentieren. Gleichzeitig wurde deutlich, welche wichtige Rolle eine Selbsthilfegruppe „Organspende“ spielen kann.
Den emotionalen Höhepunkt bildete der persönliche Erfahrungsbericht von Herrn René Krause. Gemeinsam mit seinen beiden freundlichen Hunden berichtete er eindrucksvoll von seinem Leben als Organempfänger und machte die Tragweite des Themas für die Zuhörenden unmittelbar erfahrbar. Besonders eindrucksvoll war dabei auch sein Engagement über die eigene Geschichte hinaus: Herr Krause leitet aktuell eine Selbsthilfegruppe für Organtransplantierte im Kreis Soest und ermöglicht Betroffenen damit Austausch, Unterstützung und gegenseitige Stärkung im Alltag.
Die Veranstaltung hinterließ bei den angehenden Medizinischen Fachangestellten nachhaltige Eindrücke und zeigte deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Hilfsangebote, Aufklärung und menschliche Begleitung im Gesundheitswesen vor Ort sind. „KISS meets Berufskolleg“ leistete damit einen wichtigen Beitrag zur persönlichen und beruflichen Sensibilisierung zukünftiger medizinischer Fachkräfte.
Text und Fotos. BRJ